22. September 2020
Du nahmst mein Leben mit festem Griff. Verbandst Gegenwart und Zukunft und das Gefühl, dass wir niemals enden werden. Du schenktest Vertrauen und batest mich um meins. Suchtest Blöße. Schutzlos lag ich in deiner Hand. Zeigte mich von Seiten, die ich selbst nicht kannte und vertraute... ohne eine Spur von Furcht. Barfuß, gab ich was ich konnte. Mein letztes Hemd, meine letzte Kraft, meine Liebe, die mir blieb. Aus deiner Hand gefallen, nackt in Trümmern liegend, frage ich nach Wahrheit....
21. September 2020
Du willst nicht mehr reden, nicht mehr erklären, den Schmerz, der dir größer erscheint, als du tragen kannst. Den Fall ins Bodenlose, den niemand Dir nehmen kann, den du alleine fällst jeden Morgen und jede Nacht. Du stirbst tausend kleine Tode tief in dir drin, denn mit jeder Reise durch die Erinnerungen stirbt ein Teil von Dir, den du nie wiederbekommst. Stunde um Stunde versuchst du Schlaf zu finden. Bei offenem Fenster und rauschendem Flieder und jeder beschissenen Einzelheit die sich...
20. September 2020
Ich durfte dich nicht sehen. Versteckt hinter einem Spiegel, hinter dem du dich selbst nicht findest, in den ich zu lange gestarrt und geliebt habe, was ich sah, geliebt habe, was ich bin, im Glauben.. ich sähe dich. So vertraut all die Bilder. Bilder von mir. Bilder von Vertrauen und Zukunft und Zielen und Wegen von denen keiner zu lang erschien. Ich habe gesucht. Gesucht nach Dir, deinem Fremden, deinem Anderen. Habe Fragen gestellt doch die Antworten... waren spiegelgleich meine eigenen und...
17. September 2020
Du wartest auf morgen nur um festzustellen, dass es dunkler wird. Jeden Morgen ein bisschen. Du schaust aus dem Fenster ins Schwarz, das nicht weichen will, spürst den Wind im Flieder und wie er die Gespenster der Nacht nicht vertreiben kann, weil sie wie nasse Laken in den Zweigen hängen. Gespenster, die dich wachgehalten haben, gehetzt von einer Erinnerung zur nächsten. Deine Schultern sind kalt. Weil die Decke von den Schultern gerutscht ist, dich bloßgestellt hat. Du hättest nicht...
15. September 2020
Ich war deine Manie. Und du warst... alles was ich wollte. Ich sprang mit dir hinter die Borderline, auf der du lachend, heiße Kohlen in den Augen, tanztest. Erkannte die Landminen, die meine Welt zum Einsturz bringen sollten... zu spät. Heute stehe ich am Fenster, sehe zu, wie du unsere Überreste aus der Garage trägst. Splitter, die ich zusammenfegte, nachdem sie mich, fremdkörpergleich, blutig geschnitten hatten. Du trägst Sonnenbrille. Blicke versteckt, die mir fremd und unaushaltbar...
05. September 2020
Du lebst die Tage. Tage ohne das Licht, welches dir genommen wurde, verschüttet, vielleicht aber auch einfach gelöscht. Du wartest auf ein Urteil. Wissend, dass egal was du tust... es keine Rolle spielt, keine Auswirkung hat auf die Frage, in welche Richtung der Daumen zeigt, der dir heute noch die Welt bedeutet. Ein Glück: egal wie ausgeht, es hat auch keine Auswirkung auf deinen Wert. Bis zum Urteil kannst du bleiben oder gehen. Gehen kannst du immer. Und niemand außer dir kennt den...
02. September 2020
„Leben- die einzige Art, ständig etwas Wichtiges nicht zu wissen“ - Wislawa Szymborska … und die falschen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen. Inneren Kindern in die Augen zu schauen und sie liebevoll darauf hinzuweisen, dass Eisessen selten ohne Kleckern geht. Du denkst nach. Darüber, was Du zu wissen glaubst, irgendwo tief in dir, lange verschollen oder doch gestern erst eingeimpft, und darüber, was andere als das non plus ultra mitsamt einem Kleinwagen verkaufen, den du weder...
16. August 2020
Heute ... hältst du aus. Kommst durch den Tag mit all deinen Tränen, der Wut und deiner blutigschreienden Hilflosigkeit. Bei jedem Schritt spürst du Angst und Vermissen und weißt: so ist es. So ist dein Jetzt. Du versuchst nicht ans Ende zu schauen, auf das, was du nicht kennst. Schraubst keine Ziele in die Höhe nur um festzustellen, dass du sie nicht erreichst, weil es nicht die deinen waren. Du bist Beppo. Kehrst die Straße, siehst auf deine Schuhe und kennst nur den nächsten Schritt....
28. Juli 2020
Und dann... stehst du wieder alleine, barfuß am Strand im auflandigen Wind. Hältst deine Schuhe in den Händen und beschrittene Wege im Kopf. Wirfst Erinnerungen in die Fluten und wunderst dich, dass die Wellen sie zurücktragen. Du hältst dich selbst fest, weil es gerade niemand anders tut und weil die eigene Umarmung die verlässlichste ist. Verlassen. Verlassen sein. Sich verlassen auf das was bleibt. Auf die Arme die da sind. Vor allem die eigenen. Sich verlassen darauf, dass immer etwas...
22. Juli 2020
AusZeit Ich beginne zu schweigen mit dem ersten Blick auf die glitzernde See vorbei an Strandhafer und ausgetretenen Pfaden Sand knirscht leise unter nackten Fußsohlen und mein Herz -zur Flutkante getragen- weitet sich für einen Moment Ich vergesse zu atmen weil das Meer zu laut deinen Namen brüllt Wellensaum unterspült den sicheren Stand ein Blick folgt zwei Spuren in Richtung Horizont bis ich sie nicht mehr erkennen kann bis sie verblassen bis sie nicht mehr sind verschwunden in...

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