01. Juli 2020
Wenn du begreifst, dass „für immer“ nicht für immer ist, dann ist dein Gestern nicht mehr dein Heute, dein Vertrauen nicht mehr dein Morgen und du verstehst die Sache mit der Zeit. Nicht der falschen oder der richtigen Zeit, sondern nur der Tatsache, dass sie vergeht. Einfach so. Während du noch hoffst und planst und vor lauter Hoffnung halbreife Kirschen von zu hohen Bäumen pflückst, vergeht sie. Vergeht das „für immer“ was -entgegen aller Hoffnung- nur für den Moment gilt....
11. Juni 2020
Ich sehne mich nach Stille in meinem aufgewühlten Herzen, in den wunden Regionen meiner Seele. Aufgescheuert die alten Narben. Und blutig werden neue daraus. Ich sehne mich nach Stille in schlickigen Tiefen, wo soviel blindes Leben wohnt. Stille... bis klares Wasser den Blick auf Zukunft freigibt. Ich lasse dich los. Mit meinen Wellen, all meinem Sturm. Die gerissene Ankerkette ziehst du hinter dir her, während sie meine Haut zerreißt... obwohl ich die glänzenden Glieder, die uns einst...
28. September 2019
Wenn die Nacht heute still wird, will ich leisen Lauten lauschen. Dem Mutflüstern und Hoffnungswispern. Ich will lauschen und jeden Glücksklee sammeln, der auf steinigen Wegen, zwischen Unrat verborgen wartet. Wenn die Nacht heute still wird, will ich glauben an Gestern und Morgen und daran, dass Mauern überwunden werden, ohne jeden Stein mitzunehmen. Wenn die Nacht heute still wird, will ich mutigen Herzlauten lauschen, die wissen, wo sie hingehören, die wissen, wo sie richtig sind. Wenn...
04. Juni 2019
Sommerleuchten in deinem Blick Wenn du Fragen stellst, die zu mir führen, kleine Kiesel in stille Seen wirfst um dann zurückzutreten, mich schauen zu lassen, die Kreise die sie ziehen, zarte Wellen, die alle Bilder sanft verändern... und wenn das Zittern meiner Wasserhaut mich unruhig macht, dann spüre ich warm deine Hand in der Wölbung meines Rückens. Du bleibst. Wie sehr ich auch zittere. Und wenn die Sonne untergeht, stehen wir immer noch da, weil Wellen und Kiesel und Fragen keine...
31. Dezember 2018
Langsam versinkt die Sonne hinter schroffen Bergrücken, lässt schwarzscharfe Kanten vor orangem Licht erscheinen bevor Dunkelheit sich senkt, zudeckt Felsen und Felder aus Schnee und den Atem des Tages. Den Atem des Jahres. Mit all seinem Zittern und dem lebendigen Rhythmus des Lebens. Dem Rhythmus, der manchmal still, manchmal rasend aber immer: weiter geht. Am Ende des Jahres in Armen geborgen, die lieben, die halten: fest, aufrecht und selbst wenn mein Herz stolpert: nicht los. Demütig...
30. November 2018
Und eines morgens wachst du auf und spürst sie nicht mehr.: die Angst, die Dir fast schon wie ein Freund zur Seite gestanden hat, den du mit einem Kaffee in der Hand und einem Schulterzucken gegrüßt und dich gewundert hast, dass es sich nicht richtig gut anfühlt „Hallo“ zu sagen. Jetzt ist sie weg. Und du erinnerst dich nicht einmal daran, wo sie herkam. Es wird Morgen und die Wege liegen im Licht ohne sich zu verbiegen, einfach nur geduldig darauf wartend, gegangen zu werden. Du...
16. August 2018
Und dann stehst du da mit deinem Latein, mühsam gelernt und eingeprägt und siehst zu, wie es zu Staub zerfällt nur weil du einen Augenblick nicht hingesehen hast. Oder zu lange. Oder einfach in die falsche Richtung. Rückwärts. Du siehst sie wieder: Momente, Erinnerungen und Bilder, die plötzlich noch bunter erscheinen als sie jemals waren. Doch bei genauerer Betrachtung ist es, als seien ihre Farben zu einem leuchtenden Bunt mutiert, dass es in Wirklichkeit nie gab. Schatten sind...
03. April 2018
Der Tag, an dem du springst. Von Türmen, über Mauern oder schlicht und am schwersten: über den eigenen Schatten. Die Anspannung im Angesicht aller Fragen, Unwägbarkeiten und relativer Unsicherheiten. Der Tag, an dem du -aufgewühlt von nächtlicher Klarheit- jede Frage an sich selber verweist, ist der Tag zu springen. Nicht mehr zu fragen. Wie von alleine wirst du ruhig, lässt deine Füße festen Stand zum Absprung spüren. Es ist der Tag zwischen Alt und Neu und die Spannung dazwischen,...
02. März 2018
Eine Ahnung von Frühling macht sich breit. Mit jedem Geruch der uns verfolgt, der uns erinnern lässt wie es im letzten Jahr war, als das erste Grün uns die Augen reiben ließ und unsere Fußsohlen kribbelten, weil sie raus wollten aus diesen Schuhen um stattdessen Grashalme unter sich zu spüren. Und ich denke: Ja, so sieht es aus! Wir verabschieden den Winter wohlwissend, dass er kommt: der Frühling. Und wie beruhigend: wir haben gar keine andere Wahl. Denn das ist die Sache mit dem Lauf...
12. Februar 2018
Laut waren die Tage. Die Musik. Die Stimmen. Laut war das Bunt. Heute schreit Stille in stummer Welt. Erinnerungen - vom Schweigen ganz heiser- melden sich krächzend zurück. Nebelkrähen. Beleidigt. Fast boshaft ihr ungehörter Blick. Für einen Moment bleibt Leere. Ohne Gestern. Ohne Morgen. Unverknüpft treiben Gedankenfäden umher. Ankerlos. Inselsuchend. Still.

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